History of Disconnection

Und hier noch Ralf Röckes Artikel zum 10-jährigen Bestehen der DISConnection - von 1997!!!

10 Jahre unter dem Scheibenrand. Geht´s weiter? - eine persönliche Ultimate-DISCographie Freiburgs

Da mich mein Zahnarzt nach einem etwas schwierigen Eingriff rechts außen zu absoluter Ruhe ermahnt hat, bleibt mir als Ablenkung einzig das Schwelgen in Erinnerungen. Bei der Gelegenheit möchte ich - aus gegebenem Anlass - untersuchen, ob und wie der Zahn der Zeit an uns DISConnection genagt hat.

1987

Vor nun fast genau zehn Jahren begann für mich die Geschichte, als ich folgenden Zettel am Schwarzen Brett des Instituts für Geschichte entdeckte: „Wir suchen Leute für ein Ultimate Frisbee Team !!!“

Ich kann mich noch sehr gut an den leichten Adrenalin-Stoß erinnern, den ich schon beim Lesen dieses Anschlags bekam. Irgendwie hatte ich sofort eine Ahnung, dass dieser Moment mein Leben verändern würde. Ich verfalle hier nicht aus Wehleidigkeit der Sentimentalität, denn es war wirklich so. Diese Mischung aus Action, Fair-Play, Wochenend-Urlaub, Party und Freundestreffen hat mich schnell süchtig gemacht. Mit zunehmender Spielstärke kam dann noch die Ästhetik des Ultimate-Sports im allgemeinen, vor allem aber die Faszination für die Flugeigenschaften (-möglichkeiten) der Frisbee-Scheibe hinzu. Bis heute bin ich von diesem Trip nicht runter gekommen… Im ersten Training traf ich Leute wie Mike und Poppow, die heute mit mir das Ältesten-Dasein in Freiburg teilen, aber auch Gane (inzw. Hamburg, Berlin), Klotzo (inzw. verh. + 2 Kids), Utto (inzw. verh. in Russland) und… Reinhard Witte (inzw. 3 Kids…).

Ja, eigentlich fing die ultimative Geschichte in Freiburg mit ihm an. Bevor er mit seinem Doktorvater aus Berlin in den Breisgau kam, existierte hier lediglich die Kontaktadresse von Utto, der aber dem Golfen verfallen war. Reinhard war hingegen angetrieben von dem in den 80igern noch stark ausgeprägten missionarischen Geist, Ultimate in Deutschland zu verbreiten. Und er hat gute Arbeit geleistet… Was muß er nur für Nerven gehabt haben, so einen Haufen Anfänger zu trainieren (mir ist dieser Job ein absoluter Graus). Aber er hatte innerhalb von zwei Sommersemestern genug Leute in Freiburg mit dem Virus infiziert, dass aus dem Nichts eine Mannschaft entstanden war, deren Spieleranzahl, körperliche Fitness und Gruppengefüge Grundlage für eine bis heute stabile Existenz DISConnections sein sollte. Stichwort stabile Existenz: Damals lieferten wir uns auf Turnieren immer wieder spannende Duelle mit Mannschaften wie Rheinos Wiesbaden, Loosers Karlsruhe, Flying Deutschman Nürnberg, Mosquitos Stockstadt, Spinellos Radolfzell, Seagulls Hamburg, die es heute alle mehr oder weniger so nicht mehr richtig gibt. Aber ich greife vor…

1988

Im Februar `88 spielten wir unser erstes Turnier: die Hallen-DM in Karlsruhe. Die muss wohl in der Karnevalszeit gelegen sein, denn es herrschte Verkleidungszwang. Vielleicht können sich noch einige daran erinnern, wie wir damals in weißen Kitteln als „Dr. Brinkmann & die Glottertäler“ auftraten, alle Spiele verloren, bis auf eins (gegen Heidelberg, wo ausgerechnet gerade das Fernsehen da war und wir abends in der Sportschau unsern ersten Sieg verfolgen konnten). Was für ein Einstieg, aber was für ein Niveau. Ich erinnere mich an offene Schürfwunden an Knien, Ellbogen und Hüften, weil die Pässe einfach so schlecht waren. Viel Arbeit für Dr. Brinkmann… Neben Reinhard´s Engagement muss ich hier eine weitere Person nennen, die für uns damals eine sehr wichtige Rolle spielte: Claudia Borchert. Als Deutsch-Amerikanerin studierte sie 87/88 in Freiburg und brachte Spielpraxis und -kultur aus den USA mit. Sie vor allem zeigte uns, was „Think plastic“ heißt: Letzter körperlicher Einsatz bei klarem Verstand (Spirit of the game). Sie war es auch, die die Idee zu dem Misch-Masch-Turnier hatte, welches wir im August 1988 auf dem Uni-Sportplatz austrugen. Wir hoffen, dieses Jahr mit dem 10. Misch-Masch einer makellosen Serie - an dieser Stelle soll bewußt ein bisschen Stolz durchklingen - eins draufsetzen zu können.

Da meine UP!-Sammlung erst im Sept. 90 beginnt, habe ich keine Unterlagen zu den wirklich frühen Zeiten von DISConnection. (An dieser Stelle möchte ich eine Bitte loswerden: Ich bin wirklich sehr an UP!-Artikeln aus den Jahren 88 und 89 interessiert, in denen wir eine Rolle spielen: Misch-Masch 1 + 2, DM in „Alesia“… Wenn jemand noch Ausgaben von damals hat, und auch mal einen nostalgischen Tag hat, kann mir vielleicht Kopien ziehen?… oder kann man die aus einem Archiv beziehen?…)

Ach, was heißt DISConnection? Wir hießen ja zunächst Frisbee Fools. Diesen eigentlich schönen Namen durften wir aber leider nicht mehr behalten, nachdem wir uns mit dem Verein, dem wir damals neben dem Uni-Sport angeschlossen waren, in „Funktionärsfragen“ überworfen hatten. Es ging um Sachen wie Versicherungen, Spielerpässe, etc. Diese Erfahrung hat uns bis heute davon abgehalten, erneut einem richtigen Verein beizutreten. Unsere Bemühungen im letzten Jahr sind sicher auch an unserer eigenen Unentschlossenheit gescheitert. Für mich ist Ultimate Frisbee und Sportvereine immernoch ein schwieriges Thema. Vielleicht fehlt mir da aber auch die Weitsicht, bin ich doch nach wie vor dem „Kinderschuh“-Ambiente dieser Sache erlegen.

Ich kann mich noch gut an den Abend in Reinhards Wohnzimmer erinnern, wo wir bei Bier (damals noch sehr gemäßigter Konsum) und Pizza über einen neuen Namen diskutierten, stundenlang, Klotzo telefonisch zugeschaltet, mehrere Abstimmungen, bis sich „DISConnection“ recht knapp gegen „Scheibenfischer“ durchsetzte. Bin ich froh…

Mittlerweile ist ein weiterer Schwung tragender Leute dazu gestoßen: Mibo, Rainer, Ralph, Uli (inzw. Magdeburg), Ulf (inzw. 3 Kids!!!)… Ich kann beim besten Willen nicht mehr alle Namen aufzählen, die irgendwann mal zur Mannschaft gehört haben. In der Regel hatten wir auch immer ein bis zwei AmerikanerInnen in unserer Mannschaft, die ein Austauschjahr in Freiburg studierten („farting“ Bret '89, „Dudelsack“-Jim '90 (???)…) Die Durchlaufzahl war in Anbetracht der Tatsache, dass wir mehr oder weniger ein Studententeam waren, natürlich hoch. Doch zum Glück sind es über die Jahre immer genügend Leute geblieben, die in der Existenz und Weiterentwicklung der Mannschaft einen konstanten Faktor gebildet haben. Diesem Stamm gelang es auch Jahr für Jahr, den Verlust durch den Einbau neuer Leute wettzumachen. Aber es kamen auch immer wieder gute Spieler nach Freiburg… (dazu später).

Das Turniergeschehen war damals noch dürftig: es gab ja nur etwa 20 Mannschaften; ein kleiner Boom setze ja gerade erst ein. Ich weiß leider nicht mehr, wo wir unseren ersten Auftritt unter freiem Himmel hatten. War es der Rheino-Cup in der Ami-Kaserne in Wiesbaden, wo sie uns kaum rein gelassen haben, da Uli und Poppow damals noch Vollbärte trugen(!!!)? Das hatte schon einen völkerverbindenden Aspekt: schließlich hatten sich die US-Militärs nur wenige Jahre vorher mit dem Nato-Doppelbeschluss bei uns friedensbewegten Spielern ziemlich unbeliebt gemacht.

Die DM dieses Jahres haben wir jedenfalls noch nicht mitgespielt. Unser richtiger Durchbruch kam dann schließlich…

1989

Für mich begann dieses Jahr mit Genf. „Papi“ Reinhard hatte mich als förderungswürdiges Talent bei der Hand genommen und auf der 2. WIZ open bei den Stuttgartern (Chef da noch Mark Kendall) eingeschleust. Solche Erlebnisse haben natürlich bleibende Eindrücke hinterlassen - schließlich war das ein international erstklassig besetztes Turnier - und meine Begeisterung für den Sport überschäumen lassen.

Reinhard war unterdessen schon lange dabei, die Deutsche Meisterschaft dieses Jahres in Freiburg zu organisieren. Dieses Ding hat er übrigens fast ganz alleine durchgezogen, unterstützt von ein paar Leuten aus seinem Tennis-Club. Die Mannschaft hat von dem ganzen Stress nichts mitbekommen. Im Gegenteil: unter seiner Anleitung haben wir vor allem im taktischen Bereich in diesem Sommer enorme Fortschritte gemacht. Da wir unter anderem die einzige Mannschaft in der zweiten Liga waren, die eine Zonen-Defense stellen konnte, haben wir unsere eigene DM als Zweitliga-Meister beendet. Damals gab es übrigens zum letzten Mal 10 Mannschaften in der ersten Liga (in der zweiten waren es 11 und bei den Frauen 5). In einem spektakulären Finale bei schönstem Wetter konnte Team 42 die Kangaroos, zu der Zeit sowas wie Abo-Meister, mit ihrer berühmten Zone trotz Windstille in die Knie zwingen und nach 5 Jahren mal wieder den Titel holen.

Aber auch diese Geschichte gehört zur DM ´89: Da gab es ein heroisches Volk in einer kleineren Großstadt im Nord-Badischen, das mit über 20 Spielern nach Süden zog, um die Erzfeinde aus dem Ruhrgebiet und anderen germanischen Landstrichen kräftig zu versohlen. Was aber in einem Debakel endete und unsere DM in weiten Kreisen als „Alesia-Spiele“ bekannt machte. Zwei wichtige Sachen muss ich zu diesem Jahr noch loswerden. Erstens hatten wir nach langer mühsamer Überzeugungsarbeit meinen Bruder Gerd langsam soweit, sein ultimatives Talent nicht verkümmern zu lassen; was er uns mit dem baldigen Transfer nach Wall City dankte. Zweitens tauchte irgendwann zu dieser Zeit Renate auf, die vorher ein Jahr in Genf studiert hatte und dort zum Ultimate kam. Das führte nicht nur zu einem Anstieg im Spaß-Quotienten (und der Tatsache, dass einer aus Karlsruhe ständig in unserer Nähe herumbalzte). Sie verschaffte uns eine Einladung zur 3. WIZ open in Genf 1990. Noch heute ist dieses Turnier in unserer Beliebtheitsskala an Nr. 1. Wir haben alle Wetter und Winde dort durchgemacht und werden immer wiederkommen. Ich verbinde mit diesem Turnier Liebe, Leid, Leidenschaft und andere „Gefühlsberge“, so dass es für mich persönlich einen außergewöhnlichen Stellenwert besitzt. Unter anderem habe ich Katharina dort auf der Boots-Party kennen gelernt und sie davon überzeugen können, den Frauen-Ultimate in Freiburg zu bereichern. Wie selbstlos. Damit ist mir die Überleitung gelungen: zum Frauen-Ultimate in Freiburg. Das passt so ungefähr ins Jahr…

1990

Die Tradition hochkarätiger Spielerinnen in Freiburg setzten nach Claudias und Ganes Weggang Renate, Motte, die aus Heidelberg zum Studium nach Freiburg kam, und Alex, die aus eigenen Reihen schnell „on top“ war, fort. Dieses Triumvirat forcierte den Selbständigkeits-Gedanken, was zur Entstehung des „Wilden Südens“ führte. Diese Geschichte muss allerdings jemand anderes erzählen. Es ist allgemein bekannt, dass der Wilde Süden schnell und bis heute eine feste Größe in der Ultimate-Szene darstellte, obwohl mittlerweile das Triumvirat auf Freiburger Seite mit Birgit, Katrin und Katharina aus drei völlig anderen Spielerinnen besteht.

Bei einer guten Mischung aus gemischt und separat gespielten Turnieren konnten doch ziemlich alle Bedürfnisse der Freiburger Spieler und Spielerinnen befriedigt werden. Denn diese Problematik hat uns, wie fast alle Teams, natürlich auch nicht verschont. Wobei es weniger um Männlein und Weiblein ging, als um die unterschiedlichsten Motivationen der einzelnen Spieler, Ultimate zu spielen. Da wir in Freiburg nie genug für zwei Mannschaften waren, mußten wir immer das Kunststück fertig bringen, ehrgeizigste Spieler und hohe körperliche Fitness mit körperlicher Benachteiligung und reiner Lust am Scheibenwerfen unter einen Hut zu bringen. Durch die grundlegende Arbeit von Reinhard sind wir doch eher in die erste Schiene geraten und einige sind vielleicht auch schmerzhaft außen vor geblieben. Aber wir sind auch nicht zu extrem auf die Ehrgeiz-Schiene geraten. Ein gewisses Niveau war uns schon wichtig, aber wir haben auch immer den Spass in den Vordergrund gestellt. Dafür steht fast die gesamte Mannschaft. Anfang Oktober fand in Berlin die „Wiedervereinigungs-DM“ statt. Hier wurde erstmals in Siebener-Ligen gespielt. Außer den Loosern, die unsere Zone geschickt auszuspielen verstanden, hatten wir die 2. Liga fest im Griff und konnten erneut Meister werden. Aber den vorläufigen Höhepunkt erreichten wir …

1991

Allerdings hatten wir auf der Relegation wieder mal nicht den Sprung in die erste Division geschafft. Ich meine mich zu erinnern, dass vor allem die Seagulls aus Hamburg uns erneut im Wege standen, uns im entscheidenden Spiel routiniert auf Distanz hielten. Aber sie hatten sich dabei so verausgabt, dass sie zur DM nicht angetreten sind. In diesem Jahr fand zum ersten und bis dato letzten Mal eine getrennte DM statt: 1. Liga und Frauen in Stuttgart, 2. und 3. Liga in München. Etwa drei Tage vorher mußten wir also unser Reiseziel ändern: Wir hatten (als berechtigter Nachrücker) unseren ersten Auftritt in der „upper class“.

Da man sich doch eher an die guten Sachen erinnern, weiß ich noch von einem glorreichen Sieg gegen die Aachener zu berichten (danach haben sie uns das Vergnügen nie mehr gegönnt). Aber das war auch unser einziger Erfolg; wir wurden letzter, aber erreichten die beste Platzierung in unserer Laufbahn. Einige sehr kühne Stimmen in unserer Mannschaft hängen mir zur Zeit in den Ohren, dass wir dieses Jahr die erste Liga nochmal angreifen sollten. Vielleicht schaffen wir ja doch noch mal eine Steigerung auf die alten Tage. Vielleicht fällt auf, dass ich hier überhaupt nicht von Hallen-DM´s berichte. Wir, das heißt die Männers, haben im März 1991 das letzte Mal ein offizielles Hallen-Turnier gespielt. Richtig ernst genommen haben wir den Hallen-Frisbee glaub ich sowieso nie. Da wir auf Grund der vorzüglichen geographischen Lage in der Regel einen sehr frühen Frühlingsbeginn haben, trainieren wir zu den Hallen-DM-Terminen meist schon seit mehreren Wochen draußen für das erste Outdoor-Event (Genf an Ostern). Mit der Zeit kam dann auch die zunehmende Unlust hinzu, für ein Hallenturnier Stunden auf der Autobahn zu verbringen. Dies ist übrigens generell oft die Kehrseite der vorzüglichen Lage im sonnigen Süden gewesen. Das schlimmste ist immer das Stück von Karlsruhe nach Freiburg, spät abends, hundemüde; und das zieht sich…

Wir haben uns deshalb immer sehr für Turniere der südlichen Nachbarn Schweiz und Italien interessiert. (Es gibt nichts schöneres, als hundemüde durch die Alpen kurven!)

Inzwischen war Reinhard mit seinem Doktor fertig und nach Karlsruhe verzogen. Er spielte in Stuttgart auch schon bei der nordbadischen Konkurrenz. Aber ich glaube, sein Herz schlug für uns: er hatte uns schließlich so weit gebracht. Es folgte eine Zeit ohne eine richtige Führungsperson, wie Reinhard es war. Das war auch zunächst kein Problem, zumindest kein großes. Die Aufgaben wie Organisation, Training und Spielführer auf Turnieren wurden verteilt und immer wieder anderen Personen zugeteilt. Da die Struktur in der Mannschaft relativ harmonisch war, klappte das auch noch in den Jahren 1991 und…

1992

Die A-Relegation veranstalteten wir selbst hier am Seepark, um auf vertrautem Gelände, vor heimischem Publikum (ein oder zwei…) und angefeuert von unseren Mädels den Verbleib in der ersten Liga zu schaffen. Im entscheidenden letzten Spiel gegen die Skywalker aus Rotenburg, mitten in einem Wolkenbruch, gelang uns dann allerdings nichts mehr. Solche Wetterverhältnisse waren wir nicht gewohnt.

Auf der DM in Herne, wieder alle Ligen zusammen und wieder bei gutem Wetter, hatten wir leichte Personalprobleme (siehe Foto): zu neunt mußten wir antreten, weil Christoph sich auf dem Franken-Cup einen Bänderriss zugezogen hatte. Er konnte uns in Herne nur als Coach mit Gips und Krücken zur Seite stehen. Um so erstaunlicher, dass wir trotzdem ins Finale einziehen konnten. Es war allerdings das letzte Jahr, in dem wir Sauerlach, Zamperl und Wall City hinter uns lassen konnten. Im Finale gegen die Red Barons mußten wir jedoch dem Spielermangel und der Hitze Tribut zollen: in der zweiten Halbzeit erlebten wir einen totalen Einbruch. Trotzdem waren wir sehr zufrieden mit der Platzierung, denn es sollte alles noch viel schlimmer kommen…

1993

Die Mannschaftstruktur veränderte sich langsam: Streitigkeiten brachen auf, zunehmend extremere Charaktere zeigten ihr Gesicht, bei denen die Bereitschaft zu Toleranz und Zusammenarbeit und die ultimative Fähigkeit zum Zurückstecken (Spirit) fehlte. Den absoluten Tiefpunkt in der Geschichte von DISConnection erlebten wir auf der (an sich wunderschönen) DM in Göttingen, als sich zwei Spieler von uns mitten in einem Spiel gegenseitig verprügelten.

Die Mannschaft drohte, auseinander zu brechen, einige Spieler hörten damals ganz mit dem Ultimate auf.

Das war auch die Einleitung zu einer sportlichen Krise: dreimal hintereinander landeten wir auf der DM auf B-Relegationsplätzen. Neben den zwischenmenschlichen Problemen entwickelten wir uns in dieser Zeit vor allem im taktischen Bereich nicht weiter und verloren so den Anschluß an die immer noch rasante Weiterentwicklung im deutschen Ultimate. Persönlich erlebte ich in diesem Jahr auch einen empfindlichen Dämpfer, als ich in der Auswahl für die EM-Nationalmannschaft frühzeitig nicht berücksichtigt wurde. Einzig die schon erwähnte Begegnung der weiblichen Art auf der Bootsparty in Genf war für mich ein positives ultimatives Erlebnis in diesem Jahr. Naja, ganz so schlimm war´s doch nicht: zum Glück waren immernoch ein ganzer Haufen netter Leute dabei, die sich nicht prügelten; eigentlich sogar die Mehrheit.

1994

… gelang es mir erstmals, im Nationalteam für die WM in Colchester berücksichtigt zu werden. Nicht nur dieses Turnier, auch schon die Vorbereitungsphase mit drei Trainingslagern und zwei Länderspielwochenenden, haben mir sehr gut getan. In diesem Jahr habe ich mich fast nur auf den eigenen Spaß konzentriert, die Probleme in der eigenen Mannschaft habe ich versucht zu ignorieren. Aber zu dem Spaß, den mir dieses erste große internationale Turnier persönlich brachte, kamen eine Menge Anregungen vor allem im taktischen Bereich. Zum einen war es mir gegönnt, den Erstliga-Teams (fast alle Auserwählten waren Erstliga-Spieler) ein bißchen über die Schulter zu gucken, einschließlich der Übungen und Konzepte des Bundes-Berti´s, zum anderen taten die Spiele gegen die Schweden, Finnen und New York ein übriges. Es entwickelte sich natürlich der Drang, diese neuen Erfahrungen der Mannschaft weiter zu geben, aber auch langsam die Einsicht, dass auch eine Ultimate-Mannschaft eine Führung(-spersönlichkeit) braucht - diesem Gedanken hatte ich mich immer verweigert.

Schon auf der B-Relegation dieses Jahres, die wir selbst im Uni-Stadion austrugen, konnten wir mit sehr konzentriertem und diszipliniertem Einsatz den drohenden Abstieg ins Bodenlose (3.Liga) verhindern. Diese B-Relegationen waren jedesmal richtiger Stress, denn was da jeweils von unten in die zweite Liga drängte, hatte meist gehöriges Niveau. Ich bin heilfroh, dass wir das jedesmal durchgestanden haben; ein Abstieg in die dritte Liga hätte uns wahrscheinlich auseinander gerissen (ich hatte durchaus mit Berlin geliebäugelt). Auf der DM in Leipzig konnten wir lediglich die ebenfalls in einer Krise steckenden Gummis und Pfui Dive I schlagen und wurden Ligafünfter. Wir konnten einfach überhaupt nicht mehr richtig mithalten in der 2. Liga: vor uns Stuttgart, Berlin, Zamperl, Rotenburg.

Am Ende des Jahres zeichnete sich ab, dass meine berufliche Zukunft in Freiburg den Anfang finden sollte, womit ich eigentlich nicht gerechnet hatte. Mit dieser überraschenden Wendung habe ich mich entschlossen, den Trainerposten fest zu übernehmen und mich wieder voll für DISConnection zu engagieren, was mir wieder ganz neue Erfahrungen einbringen sollte und auch eine ganz neue Motivation, weiter Ultimate zu spielen.

1995

Die Mannschaft veränderte sich langsam wieder in der Zusammensetzung: der Weggang einzelner Spieler und das Einbringen neuer Spieler („Söldner und eigene Jugend“) gaben dem Team wieder ein freundlicheres Gesicht. Wir standen mit dem Rücken zur Wand: uns war klar, dass wir neue Spieler ziehen mußten, sonst würde DISConnection langsam aussterben. Besonders in diesem Jahr ist uns das gut gelungen. Leute wie Arno, Ele, Frank, Iris, Jörn, Katrin, Oli, Rudi und Steven haben zwar auf der DM in Rotenburg noch keine große Rolle gespielt, aber… Die B-Relegation in Karlsruhe haben wir (eher zufällig) mit zehn alten Hasen gespielt, was sich rundum erfolgreich gestaltete und riesig Spaß gemacht hat. Im entscheidenden Spiel konnten wir die „aufmuckenden“ Hansa 49ers noch zurechtweisen (für dieses Jahr!).

Dass wir dann auf der DM in Rotenburg nicht besser als wieder Fünfter abschnitten, muß ich voll auf meine Kappe nehmen. Es muss halt auch erstmal gelernt sein, eine Mannschaft zu führen. (Ich sage nur: „gereizt!“) Welche Verantwortung ich für mein eigenes Nervenkostüm auf solch einem Turnier habe, ist mir hier im nachhinein sehr klar geworden. Nichts desto trotz war ein spielerischer Aufwärtstrend im Team zu beobachten. Wir konnten immerhin Vorjahres-Erstligist Mainz hinter uns lassen; hier lagen die Nerven „blanker“.

1996

…begann beschissen: Genf fand nicht statt! Wir hatten richtig Mühe, aus dem Quark zu kommen. Dieses Turnier hatte uns nach der Winterpause immer den Kick gegeben: die Mannschaft erwachte zu neuem Leben und die Trainingsbeteiligung ging wieder steil nach oben. Das fehlte uns richtig letztes Jahr. Viele von uns spielten erst an Pfingsten in Heidelberg ihr erstes Turnier dieses Jahr. Ich mußte die erschreckende Beobachtung machen, dass nur Trainieren ohne Turnier langsam das Teamgefühl auffrißt, und sich die Leute im Training langsam anfingen anzukotzen. Auch im Training - oder gerade da, weil man gegen die eigenen Freunde spielen muss - ist die Balance zwischen 100%-igem Einsatz und 100%-igem Fairplay für viele Spieler ein Problem. Aber genau das ist es, was ich von den Leuten erwarte. Es gehört wohl zu den schwierigsten Aufgaben eines Trainers, die nötige Aggressivität zu provozieren, ohne dass diese persönlich wird und außer Kontrolle gerät.

Personell konnten wir in diesem Jahr aus den Vollen schöpfen: bis auf eine Position konnten wir mit dem gleichen Team bei B-Relegation und DM antreten (13 Spieler). Das hatte es lange nicht mehr gegeben. Unser junges, heißes Blut sollte dieses Jahr zum Zuge kommen. Das Team stellte sich deshalb eher unter dem Gesichtspunkt „Aufbauarbeit“ zusammen. Auf der Relegation hatten wir dann auch noch ganz schön Mühe, wenn nicht gar Schwein, dass wir in Schwaigern in der 2. Liga antreten durften. Ein denkbar knapper Zittersieg gegen die unangenehmen Mannheimer war letzten Endes ausschlaggebend. Mainz und Hansa (!) zogen an uns vorbei.

Aber wir hatten dieses Jahr sehr gute Stimmung im Team und auf der DM lief dann auf einmal alles wie am Schnürchen: nur die Sauerlacher waren uns eine Nummer zu groß. Aber wir konnten erstmals Essen schlagen, Rotenburg und Stuttgart nach vielen, vielen Jahren endlich mal wieder und uns bei Hansa für die B-Reli-Niederlage revanchieren, sodass wir uns unverhofft nach vier Jahren mal wieder im Zweitliga-Finale befanden - so unverhofft, das dieses letzte Spiel zur Farce wurde: die Luft war draußen, Mibo hatte `ne Glatze und außerdem spielten unsere Mädels schon im Finale (!!!)… Und das größte Ding war dann die Verleihung des Spirit-Pokals. Mit dem Hintergrund der Ereignisse von vor drei Jahren bin ich in diesem Augenblick fast zusammengebrochen vor Freude.

1997

Unsere Trainingsbedingungen sind dieses Jahr so optimal, wie noch nie. Außerdem steckt uns das Schreckgespenst der 3. Liga nicht mehr im Nacken. Mit unseren jungen Leuten können wir unbekümmert in die A-Relegation gehen und dann „schau´n wir mal“…

Die große Frage, die sich uns dieses Jahr stellt, ist, ob sich auf 96 noch eins draufsetzen läßt. Die Grundlagen dafür sind letztes Jahr schon gelegt worden: recht frühzeitig zeichnete sich ab, dass bei fast allen (Oldies) das Interesse groß ist, uns für die Masters-Division auf der WUCC in Vancouver zu bewerben. Auch im Wilden Süden schlug die Idee, unser zehnjähriges Bestehen mit einem solchen Großereignis zu feiern, Wurzeln, nachdem sie sich mit der Finalteilnahme in Schwaigern qualifiziert hatten. Und so ziehen denn die Provinzmannschaften vom Breisgau das erste (und wahrscheinlich letzte ?) Mal in die weite Welt hinaus, um vor allem uns selbst gebührend zu feiern. Ganz gleich, wie sportlich erfolgreich wir dieses Jahr auf DM und WUCC abschneiden werden, es wird der absolute Höhepunkt unseres Bestehens werden. Von unserer „D“-Party in Vancouver wird im Herbst auf jeden Fall was in der UP! stehen. Ihr sollt alle ein bischen daran teilhaben.

A propos teilhaben: wie schon angedeutet, wollen wir Euch natürlich die ultimative Jubiläums-Ausgabe unseres Misch-Maschs anbieten, obwohl uns das wegen unseres Kanada-Trips ganz schön schwer fallen wird. Aber es wäre doch schön, wenn wir diese wunderbare Frisbee-geschichte mit Euch zusammen feiern könnten…

Ralf, DISConnection, Freiburg